John Dos Passos und Migration

Miguel Oliveira veröffentlicht ein neues Buch über John Dos Passos und Migration in dem es auch um die deutschen und österreichischen Auswanderungswellen in die USA und Brasilien geht.

“Miguel Oliveira verfasst das bislang umfassendste Porträt von John Dos Passos als Individuum. Wir verdanken Oliveira das Verständnis, wie stark die Migrations-Erfahrungen von Dos Passos Familie seine Meisterwerke beeinflussten.” Lucy Hamlin Dos Passos Coggin, John Dos Passos Tochter

 

Der in Hamburg geborene und in Portugal lebende Schriftsteller Miguel Oliveira stellt in seinem neuen Buch über John Dos Passos und Migration auch die deutschen Migrationswellen in die USA dar. Während des ersten Weltkrieges kam es in den USA zu einer landesweiten anti- Deutsch Hysterie, die Dos Passos scharf kritisiert. Während man in Amerika deutsche Emigrantenzeitungen schließen lässt, und deutsche Ausdrücke aus dem englischen Sprachgebrauch, wie “Sauerkraut”, verbannt, lernt Dos passos aus lauter Trotz Deutsch und ließt Heinrich Heines Harzreise. Deutsche Migranten werden in der Zeit diskriminiert, viele verlieren ihren Arbeitsplatz. An der Front in Frankreich und später in Italien, fährt Dos Passos Ambulanzen und rettet nicht nur die Leben der verwundeten Alliierten, sondern auch die Leben angeschossener deutscher Soldaten. Mit ihnen unterhält sich Dos Passos und mit einigen von ihnen spielt er Skat.

 

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges nimmt Dos Passos als Journalist an den Nürnberger Prozessen teil; er besucht die verschiedenen Zonen, und später auch das Wien der Nachkriegsjahre. Hier führt er in einem Café ein Gespräch über Flucht und Vertreibung, und die Bombardierung Dresdens. Dos Passos bezeichnet diese als Verbrechen gegen die Menschlichkeit, gleichwohl er keinen Vergleich zu den durch Nazi-Deutschland begangenen Verbrechen zulässt. Die Allierten kamen nicht als Unschuldige, schreibt er, aber ihre Schuld sei nicht gleich zu stellen mit der der Nationalsozialisten.

 

Nebendem beschreibt Dos Passos auch die Situation der Displaced Persons und die Hilflosigkeit der Aliierten im Umgang mit den DPs und mit den Problemen ihrer Unterbringung und Verpflegung im Chaos der Nachkriegsjahre. Später führt Dos Passos Gespräche mit deutschen Kriegsgefangenen in England, die dort in Arbeitslagern untergebracht wurden. Der amerikanische Schriftsteller bezeichnete und verurteilte diese Realität als Sklaverei.

 

Auch als Dos Passos Brasilien besuchte, schrieb er über die deutschen Migranten dort, wie deutsche Ingenieure die für Siemens Generatoren anschlossen, oder deutsche Missionare die Schulen gründeten. Im gleichen Zug spricht Dos Passos mit schweizer Migranten, die in Brasilien die Landwirtschaft verbessern wollten.

 

Das Vorwort zum Buch wurde von Prof. Dr. Teresa Cid, Professorin an der Universität Lissabon geschrieben. Neben dem beinhaltet das Buch mehrere bislang unveröffentlichte Dokmente, sowie 170 Bilder, unter denen einige unveröffentlichte Fotos von John Dos Passos sind. Das Buch wurde von verschiedenen Institutionen unterstützt, wie der Universität Lissabon und der FLAD (Foundation of Luso-American Development).

 

 

Über John Dos Passos

John Dos Passos wurde 1896 in Chicago geboren. Er studierte an der renommierten Harvard University. Während des Ersten Weltkrieges fuhr Dos Passos Krankenwagen in Paris und Mailand. Er begann Anti-Kriegs-Romane zu schreiben. Mit dem Roman Manhattan Transfer erlang er Weltruhm. Als Journalist zog John Dos Passos in den Spanischen Bürgerkrieg.

 

Noch in den 30er Jahren veröffentlichte John Dos Passos USA, das bis heute auf der Liste der 100 besten Bücher der Welt steht. John Dos Passos starb 1970, ohne jemals für den Literatur- Nobelpreis nominiert worden zu sein, obwohl er unzählige Preisträger wie Ernest Hemingway, William Faulkner und Günter Grass beeinflusste.

 

 

Über den Autor

Miguel Oliveira (Ph.D.) hat unter anderen an der Universität Madeira, der Technischen Universitat Lissabon und am ISAL (Institut für Betriebswirtschaft und Sprachwissenschaften) gelehrt. Oliveira ist der Autor der portugiesischen Günter Grass-Biographie, mehreren Monographien über John Dos Passos und er ist der Übersetzer von Ödön von Horváths Roman "Jugend ohne Gott". 2007 gründete Miguel Oliveira den portugiesischen John Dos Passos-Literaturpreis der zweijährlich in Ponta do Sol, Madeira verliehen wird. Miguel Oliveira lebt derzeit als freischaffender Schriftsteller in Lissabon.

 

 

Miguel Oliveira

Titel: From a Man without a Country to an American by Choice: John Dos Passos and Migration

Sprache: Englisch

Verlag: BoD, Norderstedt Deutschland

ISBN: 978-3-7322-8006-3

492 pp. | Hardcover