50 Jahre Emigration der Portugiesen - von Manuel Campos

ZWISCHEN GLEISEN UND EINEM TRAUM (ENTRE O CAIS E O SONHO)

1964: 19 Jahre nach Kriegsende in Deutschland suchte dieses Land portugiesische Arbeitskräfte für den Wiederaufbau des Landes. Dafür wurde das deutsch-portugiesische Abkommen zur Anwerbung portugiesischer Arbeitnehmer unterschrieben.

 

Merkwürdigerweise wurden in dieser Zeit mehrere solcher Verträge mit Ländern unterschrieben, in denen es zuvor Diktaturen und Kriege gegeben hatte. Lange schon frage ich mich warum gerade diese Länder ausgewählt wurden. (Es gab Verträge mit Spanien (1960), Griechenland (1960), Türkei (1961), Marokko (1963), Portugal (1964), Tunesien (1965) und Jugoslawien (1968).)

 

War das ein Beitrag zur Befriedung?

 

Bereits im September 1964 wird mit dem Portugiesen Armando Rodrigues de Sá in Köln-Deutz der „millionste Gastarbeiter“ im „große Bahnhof“ empfangen. Nur kurze Zeit später nimmt die Stadt München bereits den „millionste türkischen Gastarbeiter“ auf.

 

Millionär wurde keiner von ihnen! Im Gegenteil.

Die neue Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung – „Die Gastarbeiter. Geschichte und aktuelle soziale Lage“ belegt, dass viele Emigranten der ersten Generation im Rentenalter „am unteren Rand der Gesellschaft überrepräsentiert“ sind, „deutlich niedrigere Renten“ erhalten, „ein extrem hohes Armutsrisiko“ tragen und noch immer „bescheiden“ wohnen. Deswegen müssen wir und die Politik dafür sorgen, dass sich so etwas bei den neuen Emigranten nicht wiederholt und den alten geholfen wird.

 

Obwohl unsere Renten in Deutschland bereits versteuert werden möchte die portugiesische Regierung die Renten der nach Portugal zurückgekehrten portugiesischen Emigranten höher versteuern als die der reichen Einwanderer. Das betrachten wir als Raub.

 

 

Ein Blick zurück ins Land erinnert uns an die Zeit der Aussichtslosigkeit, der Arbeitslosigkeit, des Hungerns, des Krieges, der Geheimpolizei, an die Flucht aus den Dörfern in die Städte, die Flucht über die Grenzen, der Demütigungen, der Auslese, der aufgezwungenen Ruhe, der langen Wege „a Salto“, der in den Bergen alleingelassenen Menschen, der ersten Schritte in die Freiheit, der Hoffnung und auch des neuen Lebens in der Fremde.

 

Wir hatten das am Meer entstandene Paradies verlassen. – „Um jardim à beira-mar plantado“

- So verkauften sie uns das Land!

Aber dieses Paradies konnte uns nicht mehr ernähren. So schön das Land im Epos von Camões auch beschrieben war, so wurden wir wie Verdammte aus dem verlorenen Paradies gescheucht.

Mit Mühe und Not lernten wir eine neue Heimat zu kennen und lieben, mit einer neuen Sprache und einer anderen Kultur.

 

„Zwischen Gleisen und einem Traum“ begann ein neues Abenteuer.

Manche meinen, es kamen nur die Stärksten (K. Bade). War es so? Oder vielleicht die Mutigsten?

 

Wir begannen unsere eigene, individuelle Geschichte neu zu schreiben.

Kehrten Afrika den Rücken und kamen wie Neuentdecker. Und dachten: Erobern wir diesmal Europa?

Weil es Probleme in unserem Land gab,

wurden wir zur Lösung des Problems: wir wanderten aus.

Weil es Probleme in diesem Land gab,

Wurden wir zur Lösung des Problems: wir wanderten ein.

Weil es immer wieder Probleme gab

Wurden wir zum Problem. Wir sollten gehen.

Und weil es wieder Probleme gibt,

Werden wir als Lösung präsentiert.

Wir sind die Lösung des Problems,

Sowie das Problem der Lösung.

Wer interessiert sich für die Frage

Wer wir sind?

 

-Wir waren das Prekariat.

 

Die Worte, die unser Dasein bezeichneten, waren sehr verwirrend: Einwanderung, Zuwanderung, Emigration, Immigration, Ausländer, Mitbürger…

 

Wir kamen in ein Land, das wir nicht kannten, aber es nahm uns auf.

Wir suchten Brot und Arbeit, Freiheit und Sicherheit, oft mit letzter Hoffnung in der Seele.

 

Kann unter diesen Umständen eine neue Liebe entstehen und bestehen?

 

Es sollte auch nicht für lange Zeit sein. 1973 machte Deutschland die Tür einfach zu und erklärte den Anwerbestopp.

 

Zurückkehren! So wollten es viele, auch die Mächtigen, die ab dann über uns bestimmten.

Aber wir blieben. Und bleiben. Für immer sind wir da.

 

Was ist schon ein „für immer“, in der Fremde? Ein neues Leben in dem man dem ewigen Hunger, der Not und der Gefangenschaft entfliehen kann!

 

Und kann man es einem Menschen übel nehmen, wenn er im Laufe der Zeit auch in der Fremde Wurzeln schlägt?

 

Die, die Rotation von uns erwarteten, bewerteten unser ständiges Dasein als Störung, unsere Anwesenheit als Bedrohung. „Lohndrücker“, nannte man uns.

 

Es kam die Zeit der Suche nach einem Zusammenhalt – der Starke schützt die Schwachen.

Es war die Zeit der Organisation in den Gewerkschaften, in den Zentren und Vereinen.

Es war die Zeit der Suche nach der Stütze für die Seele, bei der katholischen Mission, bei Caritas, bei Freunden und Nachbarn. Die Zeit des persönlichen sozialpolitischen Aufbaus.

Was ist daraus geworden?

 

Am Ende kam es dann doch anders, als man wollte: wir wurden heimisch.

 

Obwohl anwesend, wurden wir nie richtig angenommen.

Obwohl gebraucht, wurden wir nie voll anerkannt.

Obwohl Mitbürger, wurden wir lange noch ausgegrenzt.

 

Mit Versprechungen hatte man uns gelockt und geholt. Mit Lebenslügen haben sie uns draußen gehalten, wie jemanden, der zu einer Familie niemals dazu gehören darf.

Manchmal zollte man uns Respekt und forderte Integration.

Aber wir wollten mehr: Anerkennung und Inklusion. Wir wollten nur Bürger und nicht nur Mitbürger sein!

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Man verlangte von mir immer wieder einen Ausweis. Ich spürte, wie nah die Worte „Ausweis“ und „Ausweisen“ beieinander lagen. Die Grenzen der Sprache waren sehr schmal….

Ich fühlte mich Menschen ausgeliefert, die nur dem Gesetz gehorchten und sich verpflichtet

fühlten, keine menschlichen Gefühle bei den Entscheidungen zu erlauben und zu zeigen.

Ich spürte die Wertlosigkeit der Sonntagsreden und der Lippenbekenntnisse derer, die mir

Ideale verkauft hatten und mir weismachen wollten, dass „der Mensch im Mittelpunkt steht“.

Ich fühlte mich wie ein Mittel zum Zweck. ______________

 

Nur, wie hätten unsere Kinder zurückkehren können, wenn ihre Lebensreise gerade mal

hier begonnen hatte?

Sollten sie wie fremde „Setzlinge“ werden, nur weil Deutschland nicht ihre Mutter war?

Und wie hätten wir auch zurückkehren können, wenn alle Brücken, sogar die menschlichen

Verbindungen zur alten Heimat, eingestürzt sind?

Wir blieben Fremde, nur weil wir neue Wurzeln in anderer Muttererde schlugen.

 

Man gab uns viele Namen: Fremde, Wanderer, Einwanderer, Gastarbeiter, Ausländer, ausländische Mitbürger, Emigranten. Aber, wie Bertold Brecht schon sagte:

 

„Immer fand ich den Namen falsch, den man uns gab: Emigranten.

Das heißt doch Auswanderer. Aber wir wanderten doch nicht aus,

nach freiem Entschluss, wählend ein anderes Land.

Wanderten wir doch auch nicht ein, in ein Land, um dort zu bleiben, womöglich für immer.

Sondern wir flohen. Vertriebene sind wir, Verbannte.

Und kein Heim, ein Exil soll das Land sein, das uns aufnahm“…

 

Welche Ähnlichkeiten dieses Gedicht mit Zeit, Geist und Erlebnissen vieler von uns doch hat..

Und wie die Zeiten 1945, 1965 und heute sich doch gleichen!

 

Als Emigranten kamen wir in erster Linie zum arbeiten. Aber unsere Berufe wurden niemals anerkannt.

Und wie sind heute noch die Aussichten? Niedrige Löhne, niedrige Rente, Mindestlöhne, Teilzeitarbeit, Minijob, Midi-Job, befristete Arbeitsverhältnisse, Leiharbeit, Zeitarbeit, Armut und …schwache Gewerkschaften.

 

Obwohl wir zum Arbeiten da waren, verlangten wir Bürgerrechte. Und es war gerade in den Betrieben, wo wir die ersten Schritte dazu machten. Über das Betriebsverfassungsgesetz sicherte man uns die Gleichberechtigung bei den Wahlen. Später kamen Gleichstellung und Gleichbehandlung dazu. Heute bestimmen wir mit, in voller Verantwortung!

 

Aber man verweigerte uns das Wahlrecht, weswegen wir uns weigerten, regiert zu werden.

 

Es war nicht unsere Regierung, unsere Stimme zählte lange nicht. Aber wir zahlten weiter, wie die anderen. Wir gehörten nicht dazu. Auch wenn wir und viele andere uns als Bestandteil dieser Gesellschaft verstanden.

 

Wir appellierten, forderten, kämpften und verlangten: Akzeptanz, Achtung, Toleranz, Respekt, Anerkennung, Integration und Inklusion. Bis man uns teilweise verstand!

 

Auf unserem Weg fanden wir Liebe, Annahme, Anerkennung, Menschlichkeit und Würde. Wir lernten, dass die Würde des Menschen unantastbar ist. Heute wissen wir mehr: man kann sie testen, ohne sie anzutasten. Unantastbar, aber belastbar ist sie...

 

Es gab und es gibt noch immer Zeiten der Enttäuschung, der Aggressivität, der Feindlichkeit, des Rassismus und des Feuers. Nach dem Angebot einer Rückkehrprämie 1982, in Höhe von 10.000 DM, sagte man uns – die das Meer beherrschten - „Das Boot ist voll“ – als sich bereits abzeichnete, dass das Boot-Deutschland immer leerer würde! 1992 kam das Feuer in Mölln und Solingen! 1999 standen Viele auf und organisierten die Lichterketten zu unserem Schutz.

Fünfzig Jahre nach dem Krieg sind noch nicht alle falschen Ideale beseitigt, nicht alle Hasser gestorben, nicht alle Führer besiegt, nicht alle Schmerzen gestillt. „Der Schoß ist fruchtbar noch!“.

 

Separierende, todbringende Ideologien vermehren sich weiter, und ergreifen sogar Europa.

Wachsamkeit reicht nicht mehr aus. Einsatz, Verzeihen ohne Vergessen, Zivilcourage – diese Dinge sind lebenswichtig und unverzichtbar!

 

Am Gleis 12 hat man uns mit Blumen empfangen und ein Motorrad für die Rückkehrbereitschaft geschenkt. – Später bot man uns sogar eine Rückkehrprämie an, damit wir gehen. Wir lehnten ab.

 

Wir suchen weiterhin das Land, das ein Garten der Freundschaft, der Toleranz, der Ehrlichkeit und der Gleichberechtigung ist. Ein Ort, an dem freie Entfaltung für jeden von uns gewährleistet ist.

 

Man sagte uns, dass die Erlangung von Rechten doch möglich ist, würden wir uns nur

Entscheiden dazu Deutscher zu werden.

Was wir brauchten, war doch etwas ganz anderes. Etwas ganz einfaches.

 

Heute genießen wir Rechte. Sogar Wahlrecht. Wir gehören zur Gemeinschaft. Wenn wir es wollen. Wie übernahmen Verantwortung, soziale und politische Ämter, leitende Funktionen, vertraten sogar das Land, das uns Vertrauen und Halt entgegenbrachte.

 

Heute, ist dieses „hier“ vielmehr als nur Deutschland. Das hier ist zu Europa geworden. Und hier sind wir auch Volk. Das Volk. Wir gehören dazu!

Wir haben unsere „Anschlussfähigkeit“(wie Habermas es ausdrückt) unter Beweis gestellt.

 

Es muss - auch hier - zusammengehören, was in 50 Jahren zusammengewachsen ist.

 

Ich staune immer aufs Neue wenn man mich heute fragt „welchen Migrationshintergrund haben Sie?“ Worauf ich antworte: Deutschland ist mein Migrationshintergrund, denn davor war ich in der Heimat einfach Bürger, Portugiese, kein Emigrant.

 

Wir haben uns verändert. Ohne es zu merken, hat sich auch diese Gesellschaft verändert.

Sie ist positiv „durchmischt“, durch die Vielfalt einer einzigen Rasse: der Menschlichen!

Unsere Zukunft kann deswegen nur eine gemeinsame und europäische sein.

 

Um uns – „fremde Gesichter“ – zu verstehen, darf man trotzdem

nie vergessen:

- wir haben 2 Seelen

- wir sprechen 2 Sprachen

- wir leben in 2 Heimatländern.

 

 

Oder vielleicht

- wir leben in 2 Sprachen

- wir lieben 2 Heimatländern

- wir sprechen mit 2 Seelen

 

Oder gar

- wir lieben 2 Sprachen

- wir leben mit 2 Seelen

- wir haben 2 Heimatländer.

 

Weil es so ist, brauchen wir auch zwei Pässe. Und den europäischen dazu…

 

Ja, die alten Blumen sind verwelkt.

Das alte Motorrad befindet sich im Museum der Geschichte, in der Garage der Erinnerungen.

Wir leben in einer neuen Zeit von Individualität und höchster Mobilität.

 

Die Politik attestierte uns: „Die Arbeitsemigranten aus Portugal schrieben eine eher stille, aber oft erfolgreiche Integrationsgeschichte. Beeindruckend ist die gute Arbeit der Selbstorganisationen, die einen großen Beitrag für die Integration der Menschen in Deutschland geleistet haben. Sie sind weiterhin auch eine stabile Brücke für die Einwanderinnen und Einwanderer, die nach dem EU-Beitritt Portugals 1986 und in der aktuellen Wirtschaftskrise nach Deutschland kommen“. (Staatsministerin Aydan Özugus)

 

Nun kommen neue, junge Menschen, insbesondere aus Spanien und Portugal.

Heute mit TGV, per Bus oder per Flugzeug. 341 Personen verlassen täglich Portugal. Allein im Jahr 2013 sind 128.000 Portugiesen emigriert. Innerhalb von zwei Jahren, zwischen dauerhaften und temporären Emigranten, haben 250 Tausend Portugiesen ihr Heimatland verlassen.

 

Arm vielleicht, aber reifer und ausgebildeter als wir damals.

Sie bringen alles mit – kostenlos - um dieses Land weiterhin nach vorne zu bringen.

 

Sie müssen anders, besser, gerechter behandelt werden als wir damals. Motorräder und Blumen reichen nicht mehr!

Sie erwarten und verlangen eine neue Willkommenskultur, die als Teilhabe, Annerkennung, Respekt und Gleichbehandlung bestehen muss.

 

Im Grunde genommen, genau dem, was wir schon immer erwarteten.

 

Weil sich die Willkommenskultur auf Gemeinsamkeiten stützen muss: auf gleiche Chancen, Bildung, Ausbildung, gleiche europäische Rechte und gemeinsame Zukunft. Für alle die sich hier, im europäischen Raum, befinden. Denn nur so werden wir gemeinsam bestehen können.

 

Vor 50 Jahren standen wir da, als Träger von Koffern aus Pappkarton und als Empfänger von Motorrädern. Nun müssen wir uns, die Ältesten, von verstorbenen Freunden verabschieden. Beobachtend und beratend uns zurückziehen. Die Staffeln weitergeben.

 

Unsere Kinder und Kindeskinder müssen übernehmen. Sie sind hier geboren, hier ist ihre Heimat, sie gehören voll dazu. Auch hier muss zusammenwachsen, was zusammen gehört.

 

Den Bezug zur Heimat, der uns verwirrt und teilweise fehlt, werden sie für uns erfüllen.

Die von uns verlangte Integration – die wir als freie und persönliche Entscheidung betrachten und teilweise nie erfüllt haben – werden sie für uns vervollständigen. Weil Integration ein Prozess ist.

 

Wir möchten aber unsere Wurzeln nicht entreißen, nicht auf unser Meer und unsere Tänze verzichten. Wir möchten unseren Fado weiter singen, denn der Platz unserer Erinnerung ist voller Sehnsüchte. Genauso wie Deutsche es in Amerika oder in Brasilien seit Jahrhunderten tun.

 

Wir sind heute etwas müde. Weil wir für ein besseres, gemeinsames Leben gekämpft haben, wissend, dass Fortschritt immer Verluste erzeugt. Was wir fordern, tun wir für uns und für alle Schicksalsgenossen.

 

Wir lassen uns nicht unterkriegen durch nationalistische und antieuropäische Forderungen von AfD`s, populistisch-rassistischen Aussagen von CSU`s wie „wer lügt, fliegt“, von den mörderischen Attacken der NSU, nicht von schweizerischen Entscheidungen zur Eindämmung der Ausländer und tragen auch nicht mehr die Asylpolitik von Europa, die auf Verhinderung der Flüchtlinge ausgerichtet ist und dazu dient, den Grund des Mittelmeers mit Tausenden von Toten zu säumen.

 

Die unumkehrbare Geschichte unseres Daseins und unseres gemeinsamen Lebens beruht auf dem Prinzip des gegenseitigen Vorteils und auch der Humanität. Bei der Gestaltung des Asyls melden sich leider immer wieder insbesondere die sog. „Wächter der Schatulle“, die lediglich einen finanziellen Angriff auf die Staatskasse sehen.

 

Wie setzen uns alle für mehr Menschlichkeit ein und wollen das Beste für Alle.

Die Zeiten der Wiedereroberungen aus religiösen Gründen sind längst vorbei. Wir werden keine Kriege mehr gegen Sarazenen führen. Wir lassen uns aber auch nicht von neuen „Sarrazins“ gegen arabische und türkische Menschen aufstacheln.

Die Portugiesen sind aus einer der größten Mischung vieler Volksgruppen entstanden, die quer durch Europa, bis an seinem Rand kamen. Als Entdecker haben wir uns überall mit allen Menschen weltweit vermischt und größtenteils in Frieden zusammengelebt.

 

Hier angekommen, waren wir von der Einstellung zur „Reinheit des Volkes“ erschrocken und mit der Aussage konfrontiert, dass wir „nicht dazu gehörten“.

Sicher haben wir anfangs darüber gelacht, aber auch stark darunter gelitten.

 

Aus diesem Grund betrachten wir die Staatsangehörigkeitsreform 2000, unter der Prämisse des Jus Soli, als eine richtige Revolution in Deutschland.

 

Viele von uns besitzen die doppelte Staatsbürgerschaft. Als Doppelstaatler dürfte ich dieses Land als Diplomat 4 Jahre lang in Brasilien und Chile vertreten und niemals habe ich ein Problem damit gehabt oder verursacht. Inzwischen tragen viele von uns Verantwortung in Städten, Kreisen und Gemeinden, in der Verwaltung und Politik, im Radio und Fernsehen. All das muss aber zur Normalität werden.

 

Es gibt also noch viel zu tun. Dafür brauchen wir echte, moderne und volle Demokraten, anstatt halbwüchsige Rassisten, die jede Gelegenheit nutzen, sich auf Kosten anderer zu profilieren - wenn nötig sogar zu töten.

 

Ich möchte Max Frisch zitieren: „Wir riefen Arbeitskräfte, es kamen aber Menschen“.

 

Begreifen wir das als Chance. Setzen wir uns ein, Miteinander und Füreinander, in einem solidarischen Europa. Den, wie Schiller schrieb: „Verbunden sind auch die Schwachen mächtig“.

 

Köln, 13. September 2014 - Manuel Campos