Página 1 de 6
Alles über Portugal - Klicken Sie >>hier<< um die PDF-Datei runterzuladen.
Um livro a pensar [em] português – Ein Buch – Portugiesisch erdacht
Joaquim Peito
„Die Reise de Elefanten“ von José Saramago
„Die Reise des Elefanten“, der jüngste Roman von José Saramago und nach den Worten des Autors selbst, ein Buch, das beinahe nicht geschrieben worden wäre, so groß waren die Gesundheitsprobleme, die den Schriftsteller gleich nach Beginn der Arbeit niederwarfen, „ist eine Metapher für das menschliche Leben“. Und er erklärt: Der „Elefant dieser Geschichte, der Tausende von Kilometern zurücklegen muss, um von Lissabon nach Wien zu gelangen, starb ein Jahr nach seiner Ankunft und, abgesehen davon, dass man ihm die Haut abzog, schnitt man ihm auch die Vorderpfoten ab und machte daraus Ständer für Schirme, Gehstöcke und derlei Dinge“. „Wenn der Mensch anfängt, über das Schicksal des Elefanten nachzudenken (…) nun, im Grunde ist es unser aller Leben. Wir enden, sterben, unter Umständen, die zwar voneinander verschieden sind, aber im Grunde läuft alles auf den Tod hinaus.“
Das Buch wird vom Autor selbst als Erzählung verstanden und bezeichnet, weil es nicht „die Bestandteile aufweist, die man gewöhnlich in einem Roman vorfindet“. Tatsächlich sind die Wendungen, die verschiedenen Erzählstränge, die Personen, die in einer Liebesgeschichte oder in anderem Genre zu erkennen sind, nun, das was herkömmlich einen Roman kennzeichnet, in diesem Werk nicht vorhanden. Wenn das Buch eine Parabel enthält, ist es etwas, was die Leser daraus machen werden, der Autor aber erklärt, dass es in diesem Werk keine Frauengestalten mit starker Persönlichkeit wie Blimunda in „Das Memorial“ oder die Frau des Arztes in „Die Stadt der Blinden“ gibt. Diese neue Erzählung des portugiesischen Nobelpreisträgers, die sich nur auf ganz wenige Daten stützt, wird wohl noch zu denken geben.
Das Buch erzählt von der Reise eines Elefanten in Lissabon, der aus Indien gekommen war, ein asiatischer Elefant also, mit Namen Salomão/Solimão, den der portugiesische König D. João III. seinem Vetter, dem österreichischen Erzherzog Maximilian II., Schwiegersohn Karls V., geschenkt hatte. Dies alles spielt sich Mitte des XVI. Jahrhunderts ab, etwa 1550, 1551, 1552. Der Elefant muss also diesen weiten Weg von Lissabon bis Wien Schritt für Schritt gehen; was das Buch erzählt, ist eben dies, ist diese Reise, die, während sie den Elefanten und seinen ihm vertrauten Treiber von Lissabon nach Wien führt, sie einen Teil Spaniens und Italiens durchqueren, Meere und Flüsse überwinden läßt, Gelegenheit bietet, verschiedene Reisen zu machen.
Es ist eine Reise durch die Geschichte, an solche hat Saramago uns schon gewöhnt, obwohl es nicht seine Absicht ist, sich auf den Weg des historischen Romans zu begeben – sagt Saramago doch, die historischen Daten würden nur eine Seite füllen – doch die Historie ist nicht unerheblich wegen der Gedanken über Machtspiele und vor allem einen besonders wichtigen historischen Augenblick, in dem sich die Kirche befindet: den der Reformation und Gegenreformation. Wie schon zu erwarten war, werden religiöse Themen in leichtem Ton und mit beißender Kritik angegangen. Das „Wunder“, in dem der Elefant Hauptperson ist, wird in wahrhaft erheiterndem Stil nachgezeichnet und ist das vollendete Beispiel des „Seins“ und des Stils von Saramago zu Fragen der Religion.
Die Reise(n) geht (gehen) jedoch weit über die Geschichte hinaus. Man kann durchaus sagen, der Ort, an dem diese Reisen beginnen und enden, ist der Mensch. In der Tat häufen sich auch, wie bei Saramago üblich, die Betrachtungen über die Lächerlichkeit der Macht und die schicksalsergebene (oder weniger ergebene) Resignation der Gedemütigten. Mit deutlicher Sympathie für diese Letzteren bedient sich Saramago, oder der von ihm geschaffene Erzähler, eines stechenden Humors, um seine Kritik anzubringen. Und so „ist diese Reise Besinnung auf den Menschen und seine Ziele, das Sich-nicht-Einfügen des Einzelnen in politische, gesellschaftliche und beziehungsrelevante Verwerfungen innerhalb jeweils einer Generation. Immer kommen wir an einem Ort an, an dem man auf uns wartet – das ist die Zweitüberschrift des Romans. Immer erfüllt der Mensch sein Geschick – wie Salomão/Solimão das seinige, indem er in Wien ankommt und als er dort stirbt, seine Vorderpfoten in Schirmständer umgeformt werden. Also ist es richtig zu sagen, Saramagos Erzählung weise auf das letzte und unvermeidliche Los allen Lebens hin, den Tod. Nicht weniger bedeutsam ist jedoch die Form, in der die Erzählung die Frage angeht – was nach dem Tod geschieht, kann in einer Karikatur enden (wenn die Vorderfüße des Elefanten zu Schirmständern gemacht werden), was bei uns das beunruhigende Gefühl hinterläßt, wie absurd Leben und Tod doch sein können und wie wenig Würde im Leben wie im Sterben liegen kann.
Mit der mächtigen Vorstellungskraft des Schriftstellers, mit der er uns schon Meisterwerke wie Das Memorial oder Das Todesjahr des Ricardo Reis geschenkt hat, legt José Saramago nun diese Ausnahmearbeit „Die Reise des Elefanten“ in die Hände der Leser.
Dieses unter außerordentlich schwierigen gesundheitlichen Bedingungen zustande gekommene Buch, eine Arbeit, von der Saramago sagt, wenn es die letzte wäre, wäre er es zufrieden, denn „es ist vor allem eine Huldigung an die portugiesische Sprache“. Man weiß nicht, was man mehr bewundern soll – den sehr eigenen Stil des Autors, der seinen besten Werken in nichts nachsteht; das Gefüge realer und erfundener Personen, das uns gleichzeitig Wirklichkeit und Erzählung erleben läßt; den Blick auf die Menschheit, in dem Ironie und Sarkasmus, diese Kennzeichen der unerbittlichen Hellsichtigkeit des Autors, sich mit solidarischem Mitleiden verbinden, mit dem er die menschlichen Schwächen betrachtet.
Zehn Jahre nach der Zuerkennung des Nobelpreises für Literatur zeigt Die Reise des Elefanten – eine Idee, die Saramago mehr als zehn Jahre mit sich herumtrug, seit er nach Österreich reiste und zufällig in ein Salzburger Restaurant namens „Der Elefant“ eintrat – uns einen Saramago in vollem literarischen Glanz. Vor uns sehen wir die radikale Freiheit eines Menschen, der alles kennt und zusammenträgt, einen magischen Schleier aus Volksweisheiten, Grundregeln, Aphorismen, Sinnigem und Widersinnigem, Sprichwörtern und Zitaten, Rhythmen und Kadenzen, weltgewandter Sprache, Beredsamkeit, Zaubersprüchen und Labyrinthen webt, oder anders gesagt, Saramago wendet das Wort frei und schöpferisch an, nicht im festgefahrenen Sinn, sondern immer wortgenau und in einer Satzkomposition, die in all ihrer Komplexität so exakt geschnitten ist, dass man sagen darf, hier haben wir einen der wenigen Virtuosen der portugiesischen Sprache vor uns.
Man sollte das Buch lesen!
Tradução: Barbara Böer Alves
Joaquim Peito
„Die Reise de Elefanten“ von José Saramago
„Die Reise des Elefanten“, der jüngste Roman von José Saramago und nach den Worten des Autors selbst, ein Buch, das beinahe nicht geschrieben worden wäre, so groß waren die Gesundheitsprobleme, die den Schriftsteller gleich nach Beginn der Arbeit niederwarfen, „ist eine Metapher für das menschliche Leben“. Und er erklärt: Der „Elefant dieser Geschichte, der Tausende von Kilometern zurücklegen muss, um von Lissabon nach Wien zu gelangen, starb ein Jahr nach seiner Ankunft und, abgesehen davon, dass man ihm die Haut abzog, schnitt man ihm auch die Vorderpfoten ab und machte daraus Ständer für Schirme, Gehstöcke und derlei Dinge“. „Wenn der Mensch anfängt, über das Schicksal des Elefanten nachzudenken (…) nun, im Grunde ist es unser aller Leben. Wir enden, sterben, unter Umständen, die zwar voneinander verschieden sind, aber im Grunde läuft alles auf den Tod hinaus.“
Das Buch wird vom Autor selbst als Erzählung verstanden und bezeichnet, weil es nicht „die Bestandteile aufweist, die man gewöhnlich in einem Roman vorfindet“. Tatsächlich sind die Wendungen, die verschiedenen Erzählstränge, die Personen, die in einer Liebesgeschichte oder in anderem Genre zu erkennen sind, nun, das was herkömmlich einen Roman kennzeichnet, in diesem Werk nicht vorhanden. Wenn das Buch eine Parabel enthält, ist es etwas, was die Leser daraus machen werden, der Autor aber erklärt, dass es in diesem Werk keine Frauengestalten mit starker Persönlichkeit wie Blimunda in „Das Memorial“ oder die Frau des Arztes in „Die Stadt der Blinden“ gibt. Diese neue Erzählung des portugiesischen Nobelpreisträgers, die sich nur auf ganz wenige Daten stützt, wird wohl noch zu denken geben.
Das Buch erzählt von der Reise eines Elefanten in Lissabon, der aus Indien gekommen war, ein asiatischer Elefant also, mit Namen Salomão/Solimão, den der portugiesische König D. João III. seinem Vetter, dem österreichischen Erzherzog Maximilian II., Schwiegersohn Karls V., geschenkt hatte. Dies alles spielt sich Mitte des XVI. Jahrhunderts ab, etwa 1550, 1551, 1552. Der Elefant muss also diesen weiten Weg von Lissabon bis Wien Schritt für Schritt gehen; was das Buch erzählt, ist eben dies, ist diese Reise, die, während sie den Elefanten und seinen ihm vertrauten Treiber von Lissabon nach Wien führt, sie einen Teil Spaniens und Italiens durchqueren, Meere und Flüsse überwinden läßt, Gelegenheit bietet, verschiedene Reisen zu machen.
Es ist eine Reise durch die Geschichte, an solche hat Saramago uns schon gewöhnt, obwohl es nicht seine Absicht ist, sich auf den Weg des historischen Romans zu begeben – sagt Saramago doch, die historischen Daten würden nur eine Seite füllen – doch die Historie ist nicht unerheblich wegen der Gedanken über Machtspiele und vor allem einen besonders wichtigen historischen Augenblick, in dem sich die Kirche befindet: den der Reformation und Gegenreformation. Wie schon zu erwarten war, werden religiöse Themen in leichtem Ton und mit beißender Kritik angegangen. Das „Wunder“, in dem der Elefant Hauptperson ist, wird in wahrhaft erheiterndem Stil nachgezeichnet und ist das vollendete Beispiel des „Seins“ und des Stils von Saramago zu Fragen der Religion.
Die Reise(n) geht (gehen) jedoch weit über die Geschichte hinaus. Man kann durchaus sagen, der Ort, an dem diese Reisen beginnen und enden, ist der Mensch. In der Tat häufen sich auch, wie bei Saramago üblich, die Betrachtungen über die Lächerlichkeit der Macht und die schicksalsergebene (oder weniger ergebene) Resignation der Gedemütigten. Mit deutlicher Sympathie für diese Letzteren bedient sich Saramago, oder der von ihm geschaffene Erzähler, eines stechenden Humors, um seine Kritik anzubringen. Und so „ist diese Reise Besinnung auf den Menschen und seine Ziele, das Sich-nicht-Einfügen des Einzelnen in politische, gesellschaftliche und beziehungsrelevante Verwerfungen innerhalb jeweils einer Generation. Immer kommen wir an einem Ort an, an dem man auf uns wartet – das ist die Zweitüberschrift des Romans. Immer erfüllt der Mensch sein Geschick – wie Salomão/Solimão das seinige, indem er in Wien ankommt und als er dort stirbt, seine Vorderpfoten in Schirmständer umgeformt werden. Also ist es richtig zu sagen, Saramagos Erzählung weise auf das letzte und unvermeidliche Los allen Lebens hin, den Tod. Nicht weniger bedeutsam ist jedoch die Form, in der die Erzählung die Frage angeht – was nach dem Tod geschieht, kann in einer Karikatur enden (wenn die Vorderfüße des Elefanten zu Schirmständern gemacht werden), was bei uns das beunruhigende Gefühl hinterläßt, wie absurd Leben und Tod doch sein können und wie wenig Würde im Leben wie im Sterben liegen kann.
Mit der mächtigen Vorstellungskraft des Schriftstellers, mit der er uns schon Meisterwerke wie Das Memorial oder Das Todesjahr des Ricardo Reis geschenkt hat, legt José Saramago nun diese Ausnahmearbeit „Die Reise des Elefanten“ in die Hände der Leser.
Dieses unter außerordentlich schwierigen gesundheitlichen Bedingungen zustande gekommene Buch, eine Arbeit, von der Saramago sagt, wenn es die letzte wäre, wäre er es zufrieden, denn „es ist vor allem eine Huldigung an die portugiesische Sprache“. Man weiß nicht, was man mehr bewundern soll – den sehr eigenen Stil des Autors, der seinen besten Werken in nichts nachsteht; das Gefüge realer und erfundener Personen, das uns gleichzeitig Wirklichkeit und Erzählung erleben läßt; den Blick auf die Menschheit, in dem Ironie und Sarkasmus, diese Kennzeichen der unerbittlichen Hellsichtigkeit des Autors, sich mit solidarischem Mitleiden verbinden, mit dem er die menschlichen Schwächen betrachtet.
Zehn Jahre nach der Zuerkennung des Nobelpreises für Literatur zeigt Die Reise des Elefanten – eine Idee, die Saramago mehr als zehn Jahre mit sich herumtrug, seit er nach Österreich reiste und zufällig in ein Salzburger Restaurant namens „Der Elefant“ eintrat – uns einen Saramago in vollem literarischen Glanz. Vor uns sehen wir die radikale Freiheit eines Menschen, der alles kennt und zusammenträgt, einen magischen Schleier aus Volksweisheiten, Grundregeln, Aphorismen, Sinnigem und Widersinnigem, Sprichwörtern und Zitaten, Rhythmen und Kadenzen, weltgewandter Sprache, Beredsamkeit, Zaubersprüchen und Labyrinthen webt, oder anders gesagt, Saramago wendet das Wort frei und schöpferisch an, nicht im festgefahrenen Sinn, sondern immer wortgenau und in einer Satzkomposition, die in all ihrer Komplexität so exakt geschnitten ist, dass man sagen darf, hier haben wir einen der wenigen Virtuosen der portugiesischen Sprache vor uns.
Man sollte das Buch lesen!
Tradução: Barbara Böer Alves















